Gut, dass du hier bist!

Gut, dass Du hier bist! „Wie lange bist Du noch hier?“, fragte ein kleiner Junge aus der KiTa Schatzkiste in Kückelhausen. Er steht im Büro der Leiterin, das für gewöhnlich eine offene Tür hat. „55 Tage bin ich noch hier“, antwortet Marianne Minor, die Leiterin der Kita. „Gut, dass Du hier bist“, tönt es prompt zurück. Ja, seit dem 1.11.1985 leitet Marianne Minor die Kindertageseinrichtung der Ev. Kirchengemeinde Haspe im Stadtteil Kückelhausen. Die Kita liegt direkt neben der ehemaligen Grundschule, die jetzt als Unterkunft für Flüchtlinge genutzt wird. Viel hat sich im Stadtteil verändert. Auch die Kita hat sich verändert: Seit 1995 orientiert sich die pädagogische Arbeit am „OffenenKonzept“. Die Kinder haben zwar eine feste Gruppe, sie können aber in den Spielzeiten selbst wählen, wie sie spielen wollen. Seit 2009 bildet die Ev. Kita zusammen mit der Kath. Kita von St. Bonifatius das Familienzentrum Haspe. Die Zertifizierung bedeutete viel Arbeit, hat sich aber auch gelohnt hat: Die Vernetzung mit der Erziehungsberatung und musikalischen Angeboten ist jetzt klarer strukturiert als vorher und fester Bestandteil der Arbeit. Seit 2014 heißt die Kita „Schatzkiste“, denn jedes Kind ist ein echter Schatz, den es zu entdeckenund zu heben gilt. Es werden nicht Defizite festgestellt oder behoben, sondern Gaben entdeckt und freigelegt. EinBeispiel dafür war die Zusammenarbeit mit einer Künstlerin, die die Kinder im kreativen Gestalten mit Farben ermutigt hat. Für die Arbeit von Marianne Minor ist die Pädagogik von Janusz Korczak immerein Leitfaden gewesen: Das Kind mit seinen Bedürfnissen steht im Mittelpunkt der Arbeit. Die offene Tür des Büros stand nicht nur für die Kinder, sondern auch für deren Eltern offen. „Der Beratungsbedarf bei den Eltern ist gestiegen“, stellt sie fest. Leider auch die Verwaltungsaufgaben, die die pädagogischen Kräfte „neben-bei“ erledigen müssen. Dabei ist Marianne Minor die sorgfältige Reflexion der pädagogischen Arbeit immer ganz wichtig gewesen. Auf Teamtagen wurden regelmäßigdie Arbeitsform und die Methoden überdacht. Wenn es um die Belange der Kinder geht, nennt sie die Dinge klar beim Namen: „Das Kinderbildungsgesetzhat hohe Ansprüche formuliert, ist aber im Grunde eine riesige Sparmaßnahme, die die pädagogische Arbeit auch zurückgeworfen hat. “ Sie wünscht der Politik mehr Mut, um nachhaltig in Kinder zu investieren. Gern denkt sie an die Familienfreizeiten früherer Jahre zurück. Auch das 100-jährige Jubiläum der Kita ist in guter Erinnerung, obwohl es ihr und Pfarrer Schäfer den Hasper Bolzen beschert hat. Im Rückblick ist sie dankbar für die arbeitsreiche Zeit mit Kindern, Mitarbeitern und Eltern. Seit letztem August hat sie damit begonnen, die Arbeit an ihre Nachfolgerin zu übergeben. „Ich habe die Freiheit, mich von einer Verantwortung zu lösen, die ich sehr gerne und mit viel Freude wahrgenommen habe.“ Im Ruhestand will sie u.a. „Urlaub machen, ohne sich ausschließlich zu erholen“, will aktiv „Reisen-Sehen-Entdecken“. Marianne Minor, gut, dass Du hier gewesen bist.

Jürgen Schäfer

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